Eine deutsche Angelegenheit?

Tomasz Szarota, einer der rennomiertesten polnischen HistorikerInnen und Experte für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, war bislang der einizge polnische Vertreter im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Gestern erklärte er seinen Rückzug aus dem Gremium, er wolle kein „Feigenblatt“ für dieses deutsche Vorhaben sein. Im eigentlichen Stiftungsrat (der auch tatsächlich etwas mitzuentscheiden hat), waren VertreterInnen aus anderen Staaten ohnehin gar nicht erst vorgesehen. Damit folgt die Stiftung wieder einmal mehr den Ideen von Erika Steinbach, der zufolge es sich eh um eine „deutsche Angelegenheit“ handelt.
Nachtrag [19.01.2010]: Inzwischen hat Szarota seine Entscheidung in einem Interview mit der taz ausführlich begründet. Darin heißt es: „Mir ist nur klar geworden, dass es bei dem Projekt gar nicht um die Versöhnung mit den Polen geht. Diese Phase haben wir ja auch längst hinter uns. Nein, es geht um die Versöhnung der Deutschen mit sich selbst.“ Über die Stiftung sagt Szarota: „Es ist einfach so: Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist ein Klon des Zentrums gegen Vertreibungen. […] Mir war nicht klar, dass sich die Bundesregierung das Geschichtsbild des BdV so sehr zu eigen gemacht hat, dass Personal und Konzept des Zentrums gegen Vertreibungen einfach übernommen werden.“