Der Beirat bröckelt…

Dem wissenschaftlichen Beraterkreis oder auch Beirat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ laufen die Mitglieder davon. Anfang der Woche erklärte die tschechische Historikerin Kristina Kaiserová ihren Rücktritt, Durch die zunehmende Politisierung sei die wissenschaftlichen Arbeit des Gremiums zu sehr beeinträchtigt. Schuld ist aus Sicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein „tendenziöser Bericht“ der Süddeutschen Zeitung. Gemeint ist eine kritische Analyse des Stiftungsprojektes, in der auch die offizielle Unterstützerin des BdV-nahen Zentrums gegen Vertreibungen, Helga Hirsch zu Wort kam.
Heute hat sich nun Hirsch selber ebenfalls aus dem Beirat zurückgezogen. Ihrer Ansicht nach dominiere der parteipolitische Streit die Stiftung und diese sei weder in der Lage, mit den Konflikten umzugehen, noch anderweitig arbeitsfähig. Der Stiftungsdirektor Manfred Kittel sei „einfach überfordert“ und solle zurücktreten, so Hirsch im Deutschlandradio Kultur.
Kulturstaatsminister Neumann (CDU) hat inzwischen angekündigt, dass zumindest der wissenschaftliche Beraterkreis „neu formiert“ wird. Zudem soll am 22. März die „bisherige Arbeit einer kritischen Bewertung unterzogen“ werden.
In einem Kommentar bezeichnete die FAZ die Stiftung inzwischen als „Farce“: Nach dem Ende des Gerangels um Erika Steinbach würden nun „grundlegenden Interessengegensätze“ deutlich: Auf der einen Seite die Institutionalisierung des Gedenkens an Flucht und Vertreibung und auf der anderen Seite die Versöhnung mit Polen. Von anderer Seite wird auf diesen Widerspruch schon seit Jahren hingewiesen. Neu ist, dass er auch in konservativen Kreisen wahrgenommen wird.